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150 Jahre Leuchtturm Schleimünde

Ausgabejahr 2021
Datum 28.10.2021

Der durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee betriebene Leuchtturm Schleimünde wird 150 Jahre alt.
Im Jahr 1871 auf der Nordmole durch den preußischen Staat erbaut, löste er eine 1861 erbaute beleuchtete Bake aus dänischer Zeit ab. Bis heute ist der Turm ein wichtiges Leuchtfeuer für die Schifffahrt im Mündungsbereich der Schlei und ein Wahrzeichen der Lotseninsel Schleimünde.

Stefan Grammann, Amtsleiter des WSA Ostsee: „Der Leuchtturm Schleimünde dient als Ansteuerungs- und Orientierungsfeuer der Schifffahrt für die Einfahrt in die Schlei und sorgt in dieser Funktion in erster Linie für die Gewährleistung eines sicheren und leichten Schiffsverkehrs und die Vermeidung von der Schifffahrt ausgehender Gefahren.“

Nach diversen äußeren Veränderungen und Umbauten im Laufe der Zeit gab es auch viele Anpassungen des Feuers - vom Betrieb mit Rübenöl über Petroleum und Gas bis zur heutigen Nutzung der Elektrizität.

Seit 1963 ist das Leuchtfeuer automatisiert und wird von der Verkehrszentrale in Travemünde ferngesteuert und überwacht.

In den Jahren 2014/2015 erfolgte eine aufwändige Grundinstandsetzung des Leuchtturmes. Dabei wurde unter anderem neben der neuen Farbgebung auch die Luftnebelschallanlage durch ein, aus sechs großen energiesparenden LED-Strahlern bestehendes, Nebelfeuer ersetzt.

Die aus Glas geschliffene Gürtellinse aus dem Jahr 1871 konnte bis heute erhalten werden.

Informationen zum Leuchtfeuer

Geographische Lage:54° 40.287‘ nördl. Breite
10° 02.176‘ östl. Länge
Bauzeit:1870/1871
Baumaterial:Mauerwerk
Turmhöhe:14,30 m
Lichtpunkthöhe:14,84 m

Leuchtfeuertechnische Daten

Kennung des Leuchtfeuers:LFl(3)WRG.20s
Optik:Gürtellinse, F = 400 mm
Sektoren:Rot 144,5° bis 201°, Grün 201° bis 275°,
Weiß 275° bis 296°, Rot 296° bis 006°,
Weiß 006° bis 100°
Nenntragweite:Weiß 13 sm, Grün 11 sm, Rot 11 sm, Weiß 6 sm
Leuchtmittel:Halogen-Metalldampflampe
Nebelfeuer gelb:F.Y im Sektor 275°-296°
Internationale Ordnungsnummer:C 1186

Beschreibung:

Weißer Turm mit grünen waagerechten Bändern und Galerie. Neben dem Leuchtfeuer ist der Turm mit einer Anstrahlung und Nebelfeuern ausgerüstet.

Der runde, aus gelben Klinkermauerwerk und mit einer kupfernen Laterne hergestellte Turm wurde im Jahre 1871 auf der Nordmole durch den preußischen Staat erbaut. Er löste eine beleuchtete Bake aus dänischer Zeit ab, die seit 1861 die Schifffahrt bei der Einfahrt in die Schlei unterstützte und erhielt ein rotes Feuer, welches durch eine aus Glas geschliffene Gürtellinse verstärkt, bis zu 8 Seemeilen weit zu sehen war.

Am 1. Dezember 1871 konnte bei einsetzender Dunkelheit das Feuer erstmals gezündet werden.

Die ursprüngliche Laterne wurde 1907 durch die heutige Laterne ersetzt. 1964 erfolgte der Anbau einer Luftnebelschallanlage (Nebelhorn). Die Anlage gab bei schlechten Sichtverhältnissen wie Nebel, Schneefall, Starkregen Schallsignale von über 120 Dezibel ab, half der Schifffahrt sich zu orientieren und diente auch als Objektschutz für die Mole.

Bemerkenswert und rekordwürdig ist die fortwährende äußere Veränderung des Turmes. Mittlerweile änderte sich bis zum heutigen Tage das äußere Erscheinungsbild des Turmes achtmal: bis 1890 gelbes Klinkermauerwerk, dann ein dunkelgrauer Anstrich, 1907 gelber Anstrich, 1913 hellgrau, 1920 schachbrettartig in Weiß und Rot, 1955 schachbrettartig Weiß und Schwarz und ab 1961 weißer Turm mit einem schwarzen Band und einer schwarzen Laterne.

In den Jahren 2014/2015 erfolgte eine aufwändige Grundinstandsetzung des Leuchtturmes, bei der sogar die Laterne demontiert wurde, um sie in den Werkstätten des WSA in Lübeck zu restaurieren. Nach Abschluss der Instandsetzung zeigt sich der Leuchtturm nun in Weiß mit einem grünen Band und einer grünen Laterne.

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Diese neue Farbgebung hält sich an die Vorgaben der international für die Betonnung von Seestraßen zuständigen Dienststellen (IALA) und entspricht der eines lateralen Schifffahrtszeichens auf der Steuerbordseite eines Fahrwassers für die „von See kommenden Schiffe“.

Die sehr energieverbrauchende Luftnebelschallanlage wurde durch Nebelfeuer, bestehend aus sechs großen LED-Strahlern ersetzt. Die Nebelfeuer erfüllen dabei die gleiche Funktion, jedoch lautlos und energiesparend.

Neben den Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes erfolgte auch eine Vielzahl von Anpassungen des Feuers. Das anfänglich rote Feuer wurde auf ein weißes Feuer umgerüstet und im Laufe der Zeit Sektoren eingerichtet, die durch Ihre farbiges Licht (Rot und Grün) die Schifffahrt unterstützen, dass Fahrwasser zu finden, welches durch seine Tiefe das Sicherste ist. Durch die Maßnahmen erhöhte sich auch die Reichweite des Feuers auf bis zu 13 Seemeilen. Außerdem hat das Feuer eine Kennung. Das bedeutet, dass durch Unterbrechung des Lichtes eine Kennung entsteht, an der jeder Leuchtturm in der Nacht erkannt werden kann. Die Kennung ist sozusagen für jeden Leuchtturm einzigartig. Die Kennung des Leuchtturmes Schleimünde laute LFI(3)WRG.20s und steht für ein Sektorenfeuer in den Farben Weiß, Rot, Grün mit drei Blitzen und einer Wiederkehr von 20 Sekunden.

Auch der Betrieb des Feuers wandelte sich in dieser langen Zeit von Rübenöl, Petroleum, Gas bis zur heutigen Nutzung der Elektrizität. Zum Einsatz kommen nun Halogenlampen, die eine lange Lebensdauer aufweisen, energiesparsam sind und lange Wartungszeiträume ermöglichen. Nur die Gürtellinse ist bei allen Umbauten und Anpassungen des Feuers bis zum heutigen Tag im Einsatz geblieben.

Das Leuchtfeuer ist seit 1963 automatisiert und wird von der Verkehrszentrale in Travemünde fernüberwacht. Die Energieversorgung erfolgt aus dem öffentlichen Netz. Bei Netzausfall übernimmt eine vorhandene Netzersatzanlage die Energieversorgung.

Am 02. Juli 2020 erschien die Sonderbriefmarke "Leuchtturm Schleimünde". Auf der Briefmarke ist ein Bild des Leuchtturms Schleimünde mit den mar-kanten grün-weißen Streifen zu sehen. Um den Turm herum verlaufen verschiedenfarbige Kreise, welche die vielen unterschiedlichen Farbanstriche des Leuchtturms darstellen.